Digitale Bibelpastoral während Covid-19 im Libanon

Digitale Bibelpastoral während Covid-19 im Libanon

LEBANON: 2019 und 2020 waren zwei extrem herausfordernde Jahre für die libanesische Gesellschaft in doppelter Hinsicht: Wirtschaftskrise und Covid-19-Pandemie.


Wirtschaft: Der Libanon sah sich in den letzten beiden Jahren mit einer beispiellosen Wirtschaftskrise konfrontiert, die eine hohe Arbeitslosenquote und Lohnkürzungen zur Folge hatte. Mehr als die Hälfte der libanesischen Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Dies geht einher mit nationalen politischen Spannungen und regionalen Konflikten. Das führte zu einer Volksbewegung, die sich im letzten Herbst bis zum Ausbruch von Covid-19 gegen die Regierung richtete.

Covid-19-Pandemie: Der Libanon begann schon früh mit Eindämmungsmaßnahmen, was dazu beitrug, die Situation weitgehend unter Kontrolle zu halten. Seit dem Frühstadium Anfang März waren Schulen und Universitäten geschlossen, und das ganze Land stand unter Abriegelung. Auch Kirchen wurden geschlossen, Gottesdienste und alle pastoralen Aktivitäten ausgesetzt, auch während der Fasten- und Osterzeit.

Schon bevor die Gottesdienste ausgesetzt wurden, hatten mehrere Bischofssynoden im Nahen Osten dazu angeraten, die Kommunion aus hygienischen Gründen auf der Hand zu empfangen, was sonst nicht üblich ist. Daraufhin riefen fundamentalistische Gruppierungen zum Widerstand gegen kirchliche Autoritäten auf. Diese seit Jahrzehnten im Libanon aktiven ultra-traditionalistischen Gruppen vertreten ein wörtliches Verständnis der Heiligen Schrift und stehen daher der Bibelföderation äußerst kritisch gegenüber. Sie benutzen die Covid-19-Krise, um die nach ihrem Verständnis "liberalen Entscheidungen" der Kirchenleitung anzugreifen (Handkommunion und soziale Distanz während der Gottesdienste), und verbreiten apokalyptische Lesarten der Covid-19-Krise. In den sozialen Medien, wo sie sehr präsent sind, propagieren sie die Pandemie als Zorn und Strafe Gottes, und künden den nahenden Tag des Gerichts und das Ende der Zeiten an. 

Diese Irrlehren sowie das Bedürfnis der Gläubigen, die sich nicht zum Gottesdienst versammeln können, nach Gemeinschaft, veranlasste die Mitglieder der Bibelföderation im Libanon, online aktiv zu werden, um so eine große Anzahl Christen erreichen und spirituell unterstützen zu können. Die Initiative begann in der Karwoche und wurde bis nach Ostern fortgesetzt. Die einzelnen KBF Mitglieder im Libanon erstellten Videos von je 4-7 Minuten, in denen sie Personen aus dem Alten und Neuen Testament vorstellten, die eine Rolle in der Kreuzigungs- und Auferstehungserzählung spielen: Jona, Hiob, Maria, die Mutter Jesu, Petrus, Pilatus, die Frauen am Grab, Barabbas, Judas, Johannes...

Schwester Bacima El Khoury begann eine Reihe von kurzen Betrachtungen "Ein Gedanke aus der Heiligen Schrift", während Schwester Yara Matta biblische Meditationen für das ganze Jahr erstellte mit dem Titel "Wähle das Leben", sowie eine weitere Reihe mit dem Titel "Mit Maria“ für den Mai-Monat. In seiner Reihe über das Buch der Offenbarung beantwortet Dr. Nicolas Abou Mrad Fragen von Christen, die durch die wörtliche und aus dem Kontext gerissene Bibelinterpretation der fundamentalistischen Gruppen verunsichert sind.

Auch andere Mitglieder der Bibelföderation im Nahen Osten, wie die Gruppe "Kalimat Hayat" (Wort des Lebens), produzierten ähnliche Video-Reihen mit der Unterstützung der KBF im Libanon.

Wir sind Gott dankbar und freuen uns über den Erfolg unserer Internetseiten, die viele Menschen angesprochen haben. Die Videos werden von den Nutzern in verschiedenen Regionen des Nahen Ostens miteinander geteilt, vor allem im Libanon, Syrien, Ägypten, Irak und dem Heiligen Land, aber auch von arabischsprachigen Menschen, die in Europa, Australien und Nordamerika leben.

Jetzt, da die Covid-19-Maßnahmen ihr Ziel erreicht haben, hoffen wir, bald wieder mit den Menschen in normalen Kontakt treten zu können, um das Wort Gottes von Angesicht zu Angesicht zu teilen – was nicht heißt, dass wir unser Engagement in den sozialen Medien beenden werden. Wir KBF-Mitglieder hoffen auf ein baldiges Treffen, um unsere Erfahrungen in dieser Krise auszuwerten und daraus zu lernen, was wir zur größeren Ehre des Wortes Gottes weiterentwickeln und besser machen können.

P. Pierre Najem, KBF-Koordinator für den Nahen Osten

Tags: Regionen Naher Osten Libanon Pandemie